Der Dachbodenzauber

Wer kennt nicht die Verlockung und Faszination den Dachboden der Großmutter zu erforschen? Mit einer Taschenlampe im Dusteren und Verborgenen zu kramen. Eine verschlossene Truhe voller Geheimnisse zu öffnen und wertvolle Kostbarkeiten und Schätze zu finden.

Als Rumpelkammer oder Trockenraum hat der Dachboden bald ausgedient. Heute sind viele Dachböden zu Wohnungen umgebaut. Doch auf unserem Dachboden in der Speicherstadt kann man noch all die herrlichen Dinge finden, die Generationen dort aufbewahrt haben: Zerschlissene Stofftiere, selbst gebaute Karussells und abgewetzte Handwagen. Wir haben den Dachboden in seiner ursprünglichen Funktion als Erinnerungsraum belassen. Und so ist unser Dachboden noch immer der verwunschene, geheimnisvolle Raum geblieben, der er einmal war.

Auf 450 qm haben wir Kostbares, Alltägliches und Benutztes zusammengetragen. Und so ist aus den Vielen ein Einziger Dachboden hervorgegangen. Hier finden die Besucher das historische Spielzeug noch an seinem ursprünglichen Fundort. Den braunen Bär in der Kommode von 1910 und die hölzerne Puppenküche im Wandschrank von 1920. In jeder Truhe, jeder Schublade und jeder Dose warten kleine Schätze, verblaßte Kindheitserinnerungen und Spuren einer vergangenen Zeit. Der Besucher taucht in einen Ort der Erinnerung, der Geheimnisse und Träume ein. Unser Dachboden ist ein Erlebnisraum.

Durch die Ausstellungsarchitektur entsteht ein geordnetes Durcheinander. Die nachempfundenen Fundorte der Spielsachen bilden in sich geschlossene Räume, die sich in das harmonische Gesamtbild einfügen. Der Rummelplatz, der Zille Hof, das Spielzimmer und vieles mehr. In den Räumen findet sich abgewetztes Kinderspielzeug zwischen verrosteten Töpfen, vergilbtem Zeitungspapier und staubigen Regalen. Der ungeordnete Ausstellungsraum soll den Besucher anregen, den Dachboden auszukundschaften, zu durchkämmen und zu erforschen. Wer Zeit mitbringt und sich auf diesen verzauberten Ort einläßt, entdeckt Geheimnisse, erlebt Geschichten und findet sein Spielzeug aus vergangenen Kindertagen.

Behütet werden die kostbaren Schätze von der siebenköpfigen Dachbodenbande. Verschlissene Stofftiere, die in einer sozialen Gemeinschaft leben, jedes mit einer schicksalsreichen Biographie und jedes mit einem charakteristischen Makel. Mitzi, die zierliche Katze mit dem langen Hals; ihre Alleinerziehende Mutter Gerda; Otto, der Handlungsreisende mit Magengeschwür; Fritz, der überhebliche Fassadenkletterer; Karl, der deprimierte Bademeister; Hermann, der verletzte Feuerwehrmann und seine starke Ehefrau Emilie. Sie sind wie Du und Ich. Sie sind das Herz des Dachbodens.

Unser Dachboden ist ein Aufbewahrungsort für all die Geschichten, die ein Menschenleben schreibt, für Liebgewonnenes, Gelebtes und Vergängliches. Jedes Stofftier, jede Spieluhr und jede Puppenstube erzählt Geschichten von Hoffnung, Liebe und Geborgenheit. Aber auch von Hunger, Flucht und Vertreibung. Unser Dachboden ist ein Erinnerungsspeicher. Er ist die Seele der Speicherstadt. Ein Raum, der es erlaubt zu erleben, zu finden und zu träumen.